Mittwoch, 14. November 2018
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Freiwillige Feuerwehr Nürnberg - Worzeldorf (gegründet 1899)

Die ehemalige Gemeinde Worzeldorf wurde etwa 1818 aus den sechs Dörfern Worzeldorf, Herpersdorf, Gaulnhofen, Pillenreuth, Weiherhaus und Roter Bühl gebildet. 1972 wurde sie im Rahmen der Gebietsreform zur Stadt Nürnberg eingemeindet. Aus der Vorzeit gibt es sporadische Aufzeichnungen über Feuerschutzmaßnahmen, so bereits um 1400 die Anlage eines Feuerweihers im Klostergarten von Pillenreuth.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand eine Pflichtfeuerwehr in einer Stärke von über 60 Mann, aus dieser Zeit stammt eine zweirädrige Handdruckspritze von 1871 der Firma Kirchmair. Sie war ein Geschenk der Feuerversicherung, für das die Gemeinde 1885 eigens ein neues Feuerhaus in Herpersdorf baute, bis dahin war sie in einer Scheune untergestellt.

Nach mehreren Anläufen wurde am 13. August 1899 auf einem formlosen Blatt die Einschreibung für die Freiwilligen Feuerwehr Worzeldorf vollzogen, die neben 6 passiven und 21 aktive Mitglieder erbrachte; davon wurden 5 zur Steigermannschaft, 12 als Spritzenmänner und 4 zur Ordnungsmannschaft eingeteilt.

Die Zahl der Aktiven wuchs anfangs rasch an, bis 1905 der Höhepunkt mit 45 Feuerwehrmännern erreicht war. Die Feuerschutzausrüstung der Gemeinde, anfangs zwei, 1904 sogar drei Handdruckspritzen teilte sich die Freiwillige Feuerwehr mit der weiterhin bestehenden Pflichtfeuerwehr, die erst 1953 endgültig abgeschafft wird. Bereits 1900 wird in den Annalen der erste Einsatz beim Brand in einer Nachbargemeinde verzeichnet, 1901 sogar im eigenen Ortsbereich. Der erste Weltkrieg stellte eine Zäsur in der Geschichte der Wehr dar, zwischen 1914 und 1919 lassen sich keine Aufzeichnungen finden.

1922 wird auf Antrag der Bewohner von Herpersdorf, Gaulnhofen, Weiherhaus und Pillenreuth die Gründung einer zweiten Feuerwehr beim Bezirksamt Schwabach beantragt und mit den Bedingungen genehmigt, daß die neue Wehr die Bezeichnung Freiwillige Feuerwehr Worzeldorf II zu führen hat und unter dem Oberkommando der freiwilligen Feuerwehr Worzeldorf steht. Deren Kommandant war von allen Unternehmungen rechtzeitig in Kenntnis zu setzen. Sank damit zunächst die Mannschaftsstärke in der FF Worzeldorf, so erreichte sie bald wieder 40 Aktive, während die zweite Feuerwehr ebenfalls auf 34 Aktive verweisen konnte. Die zwei Wehren bedeuteten eine zusätzliche Belastung der Gemeindefinanzen, trotzdem konnte 1933 die erste Motorspritze in der Geschichte der Worzeldorfer Feuerwehr - eine Paul-Ludwig-Spritze - in Dienst gestellt werden. 1935 wurde von den neuen Machthabern der Zusammenschluss der beiden Wehren verordnet.

In der Zeit des Nationalsozialismus nahmen die Eingriffe des Staates in die Feuerwehren immer mehr zu, beginnend mit der Umstrukturierung als Feuerschutzpolizei. Daher gibt es seit 1936 keine Eintragungen in den Protokollbüchern mehr. Einblicke ergeben sich nur durch die Aufzeichnungen in den Gemeindeakten, sei es über den mangelhaften Besuch der Pflichtübungen, die Zuteilung von Treibstoffen, die Requirierung von Fahrzeugen oder die Einteilung der Wehren des Umlandes in die 15-km Löschhilfe bei Bombenangriffen auf Nürnberg. Die Zuteilung eines Tragkraftspritzenanhängers mit Pumpe für 3000 RM war da 1944 eine erfreuliche Meldung 1946 wird die Freiwillige Feuerwehr Worzeldorf mit zwei Löschzügen wieder gegründet, doch bereits 1949 erfolgt die erneute Teilung in die zwei Feuerwehren Worzeldorf und Herpersdorf, die bis 1965 andauern sollte.

1960 wurde das erste Worzeldorfer Tragkraftspritzenfahrzeug angeschafft, zugleich erfolgte die erste erfolgreiche Prüfung einer Gruppe für das Feuerwehrleistungsabzeichen.

1964 folgte die Beschaffung einer 12-m-Anhängeleiter, 1968 wurde das Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 in Dienst gestellt. Damit wurde der seit 1963 immer wieder verschobene Bau eines Feuerwehrhofes vordringend, da bereits die AL 12 im Gemeindehof untergestellt wurden musste. Das Tanklöschfahrzeug musste in einer ungeheizten Scheune abgestellt werden, im Winter mit entleertem Tank was sich prompt bei einem Scheunenbrand in Pillenreuth im Winter rächte. 1971 wurde der erste Bauabschnitt der Feuerwehrhofes (bestehend aus Fahrzeughalle und Schlauchtrockenturm) fertiggestellt, der zweite Bauabschnitt mit dem Mannschaftsgebäude folgte 1973.

Durch die Eingemeindung änderte sich die Ausrüstung erheblich. Das TSF und die Leiter wurden zwar ausgemustert, aber dafür wurde der Wehr ein Katastrophenschutzzug angegliedert, bestehend aus einem Tanklöschfahrzeug TLF 16/24, einem Tanklöschfahrzeug TLF 8/8, einem Löschgruppenfahrzeug LF 16-TS und einem Schlauchkraftwagen SKW.

Über die Jahre veränderte sich der Fuhrpark der FF Worzeldorf durch verschiedene Fahrzeugringtausch-Aktionen.

Seit 1991 besteht eine Partnerschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr Gera Mitte in Thüringen. Diese 20 jährige Partnerschaft wurde von 7. bis 8. Mai 2011 gefeiert. In einem Festakt im Rathaussaal der Stadt Gera mit Gästen aus der Politik, einer großen Gemeinschaftsübung und  dem anschliessenden Kameradschaftsabend im Gerätehaus der FF Gera-Mitte, wurde dieses Jubiläum gebührend begangen.

Vor fünfundzwanzig Jahre wurde die Jugendfeuerwehr Worzeldorf mit fünf Jugendlichen und drei Jugendwarten gegründet. Starthilfe gab es vor damals durch die Jugendfeuerwehren aus dem Nürnberger Land, dem Landkreis Roth und von der Partnerwehr aus Gera-Mitte. Diese Bilanz war Anlass, die Jugendfeuerwehren am 09. Juli 2016 zu einem Grillfest mit Erfahrungsaustausch und geselligem Treffen einzuladen.

Bereits im Oktober 2015 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Worzeldorf aus Bundesmitteln ein neues Löschgruppenfahrzeug LF20-KatS. Am 16. Mai 2016 feierte die Wehr die Weihe des Fahrzeuges mit zahlreichen Gästen bei herrlichem Sonnenschein im Gerätehof.

Im Dezember 2016 konnte mit dem Löschgruppenfahrzeug LF10, erstmals nach der Eingemeindung zur Stadt Nürnberg und nach 48 Jahren, wieder ein fabrikneues Einsatzfahrzeug im Dienst bei der FF Worzeldorf gestellt werden.

Heute verfügt die Freiwillige Feuerwehr Nürnberg - Worzeldorf über ein Löschgruppenfahrzeug LF10, ein Löschgruppenfahrzeug des Katastrophenschutzes LF20-KatS, einen Rüstwagen RW, sowie den Schlauchwagen des Katastrophenschutzes SW 2000-Tr.

Im Jahr 2017 wurde die Wehr 90-mal alarmiert, davon 22 Brandeinsätze, 67 technische Hilfeleistungen und ein First-Responder Einsatz.

Derzeit leisten 50 Aktive, darunter 6 Damen, Dienst bei der Feuerwehr Worzeldorf, hinzu kommt eine sehr aktive Jugendgruppe mit 5 Mitgliedern. Der Altersdurchschnitt der Mannschaft liegt bei 36 Jahren.

 

Thomas Karl & Martin Metz

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